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Ende der Wasserkraft in Wildeshausen

von Martin Siemer

Hunte soll im Stadtgebiet ökologisch durchgängiger werden

Die Tage des Wasserkraftwerks an der Hunte in Wildeshausen sind gezählt. Im Zuge der Umgestaltung der Hunte für die ökologische Durchgängigkeit wird das Kraftwerk spätestens im Jahr 2022 stillgelegt. Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau und Umwelt ließ sich am Donnerstagabend über die geplanten Maßnahmen informieren. Hans-Dieter Buschan und Volker Knuth vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) stellten die Planungen für den Ausbau des Hunte-Umfluters vor. Die Herausforderung dabei ist es, Standsicherheit, Hochwasserschutz und Ökologie gleichermaßen zu berücksichtigen.

In der Hunte gibt es zwischen der Stadt Wildeshausen und dem Dümmer insgesamt 14 Stauanlagen. Sieben Stauwehre sind mittlerweile mittels sogenannter Riegel-Becken-Pässe für Fische wie Lachs, Meerforelle, Aal oder Flußneunauge durchgängig gestaltet worden. Sie ziehen den Fluss hinauf zu ihren Laichplätzen. Das Stauwehr mitten in Wildeshausen stellt für die Fische jedoch ein unüberwindbares Hindernis dar. Nach der europäischen Wasserentnahmerichtlinie ist dieses jedoch nicht mehr zulässig.

Eine erste Planungsvariante wurde zwischenzeitlich verworfen. Hier war vorgesehen, einen sogenannten „Vertical-Slot-Pass“ auf dem Kraftwerkgelände zu errichten. Geplant war ein Betontrog mit 29 Becken. Mit Höhensprüngen von jeweils 12,5 Zentimeter hätte der Höhenunterschied von knapp 3,7 Metern überwunden werden sollen. Da die Richtlinien inzwischen aber nur noch Höhensprünge von maximal zehn Zentimetern erlauben, hätte der Betontrog insgesamt eine Länge von 90 Metern erreicht. Für die Innenstadt im Bereich der Alexanderkirche eine unschöne optische Einschränkung.

Als Alternative ist nun ein Fischaufstieg über den Hunte-Umleiter vorgesehen. Dieser dient bei Hochwasser dazu, die Wassermengen vom eigentlichen Hunteflusslauf in die untere Hunte umzuleiten. Er mündet etwa 90 Meter unterhalb des Kraftwerks wieder in der Hunte. Bei einem Wasserablauf von 50 Kubikmetern in der Sekunde werden zwei Schützanlagen geöffnet und das Wasser so teilweise in den Umleiter geleitet. Damit die Fische die Umleitung annehmen und vor allem auch finden, ist eine Erhöhung der Strömung im Umleiter notwendig. Dies erfolgt unter anderem durch einen halbnaturnahen Ausbau des Umleiters im Stadtgebiet. So wird die vorhandene Sohlgleite am Übergang zur Hunte umgestaltet. Dazu sollen Sohlverbreiterungen und Eintiefungen vorgenommen werden. Im oberen Bereich ist der Einbau von Störsteinen, Kiesbänken und Totholz vorgesehen. Hierdurch werden für die Fische auch Ruhezonen geschaffen.

Um den Fischen den Weg in die Sackgasse vor dem Stauwehr zu versperren, wird dort eine Spundwandbarriere errichtet. Diese ist aber bei normalem Wasserstand kaum zu sehen, da das Wasser über die Begrenzung läuft. Trotz der Eingriffe in die Struktur des Umleiters und der künftigen Barriere sei der Hochwasserschutz für die Stadt Wildeshausen gesichert, betonte Knuth. Auch wird das vorgegebene Stauziel am Wehr mit 19,53 Metern beibehalten. „Viele Gebäude in diesem Bereich sind auf Holzpfählen errichtet. Würden wir das Stauziel absenken, fallen die Stämme trocken und beginnen zu faulen“, erläuterte Knuth die damit verbundene Gefahr.

Um den Wasserabfluss am Kraftwerk zu erhöhen, wird zudem eine Trennmauer zwischen Freiwassertor und Kraftwerksturbineneinlass umgestaltet. Das Kraftwerk wird im Zuge des Umbaus übrigens stillgelegt. Ein Betrieb sei wirtschaftlich ohnehin nicht mehr sinnvoll, begründete Buschan diesen Schritt.

Das stieß insbesondere bei Rainer Kolloge (UWG) auf Kritik. „Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Energiewende ist es schwer vermittelbar, das wir ein Wasserkraftwerk abschalten.“ Er hielt die erste Variante mit dem Betontrog für sinnvoller. Zumal ihm die Maßnahmen, die für Umgestaltung des Umleiters notwendig sind, ebenso aufwendig erscheinen. Die Entscheidung des Landes Niedersachsen als Eigentümerin des Kraftwerks sei aber gefallen, sagte Buschan.

Die jetzigen Planungen sollen im kommenden Jahr genehmigungsreif sein. Mit der Realisierung des Fischaufstiegs könnte dann 2022 begonnen werden.

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