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Unruhe in der CDU Wildeshausen

von Martin Siemer

Sechs Mitglieder verlassen Fraktion und Partei

Wildeshausen/msi. Seit Monaten gärt es in der CDU Wildeshausen. Im April 2018 waren die Ratsabgeordneten Bernhard Block, Gudrun Brockmeyer, Stefan Brors und Stephan Rollié aus der CDU Stadtratsfraktion ausgetreten. Sie gründeten die neue Fraktion CDW – Christliche Demokraten für Wildeshausen. Wenig später schlossen sich Frank Stöver und Jens-Peter Hennken an, bis dahin ebenfalls in der CDU-Fraktion. Hennken beendete bereits kurz danach seine Parteimitgliedschaft in der CDU.

Anlass für den Fraktionsaustritt war die Kritik am Führungsstil des Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Sasse. In der vergangenen Woche nun erklärten Block, Brockmeyer, Brors, Rollié und Stöver auch ihren Parteiaustritt. Damit kamen die sechs einem Parteiausschlussverfahren zuvor. Der Austritt sei die Konsequenz eines endgültigen Vertrauensverlustes in die CDU Rats- Fraktion und insbesondere in Wolfgang Sasse, schreibt Stephan Rollié in einer Pressemitteilung. Die CDU-Fraktion unter Sasses Führung habe bislang jedes klärende Gespräch abgelehnt. „Wir sehen keinen Sinn mehr darin, für eine Gemeinschaft zu kämpfen, die nicht einmal auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und des Landtagsabgeordneten Karl- Heinz Bley dazu bereit war, mit uns über Lösungsmöglichkeiten zu sprechen“, schreibt Rollié. Grotelüschen bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung ein solches Gespräch, an dem die CDWFraktion teilgenommen habe. Die CDU-Fraktionsmitglieder hatten in Gänze über ihren Vorsitzenden Sasse abgesagt.

Der CDU-Stadtverband weist die Vorwürfe entscheiden zurück. „Die Personalie Wolfgang Sasse ist kein Thema“, betonte Irmgard Hollmann, Pressesprecherin des Stadtverbandes. Sie bezeichnete die Angriffe auf Sasse als armselig. „Wenn jemand mit einem Führungsstil Probleme hat, dann sollte man nach Lösungen suchen.“ Hollmann sieht als Grund für die Fraktionsaustritte die persönlichen Interessen eines Fraktionsmitgliedes beim Schultausch der St.-Peter- Schule. Die Familie dieses ehemaligen Mitgliedes hätte hohen Druck auf Sasse ausgeübt, um den Schultausch zu verhindern.

Wolfgang Sasse wies daraufhin, dass die Rückübertragung der Hunteschule, Voraussetzung für den Schultausch, schon im Wahlprogramm 2016 gestanden habe. Alle, die damals für die CDU kandidiert haben, hätten dies unterschrieben. Allerdings ging es damals nur um die Rückübertragung der Hunteschule, nicht um den später initiierten Schultausch mit der St.-Peter-Schule.

Zurückgewiesen wurde auch der Vorwurf, es habe keine Gespräche oder Gesprächsangebote mit den ehemaligen Fraktionsmitgliedern gegeben. Die ausgetretenen Fraktionsmitglieder hätten mehrmals die Möglichkeit gehabt, Gespräche vor verschiedenen CDU Gremien zu führen. Durch die Austritte aus der CDU-Fraktion verlor diese die Mehrheit im Rat und ist jetzt nur noch viertstärkste Kraft.

Die CDU Wildeshausen will sich jetzt wieder der politischen Arbeit widmen. Ob dies auch auf Dauer unter der Leitung von Wolfgang Sasse geschieht, bleibt zunächst offen. Er ist noch bis Ende 2019 als Vorsitzender des Stadtverbandes gewählt. Im November wird auch erneut über den Fraktionsvorsitz abgestimmt. Auf eine erneute Kandidatur für beide Ämter wollte Sasse sich nicht festlegen. Auf einer in Kürze stattfindenden Mitgliederversammlung soll das Thema aufgearbeitet werden.

Oldenburger Sonntagszeitung, Ausgabe 09. Februar 2019

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