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Wildeshausen-West dauert und dauert

von Martin Siemer

Geduld von Investor Harro Taube extrem gefordert

Von Martin Siemer

Wildeshausen. Seit mehr als 20 Jahren wird in Wildeshausen über das mögliche Industrie- und Gewerbegebiet Wildeshausen-West diskutiert. Gegner und Befürworter haben ausgiebig ihre Standpunkte ausgetauscht und deutlich gemacht. Passiert ist in all den Jahren wenig, fast nichts. Bis im September 2018 Investor Harro Taube aus Cadenberge im Landkreis Cuxhaven auf die Bühne trat.
Taube will in unmittelbarer Nähe zur Autobahnanschlussstelle Wildeshausen-West einen modernen Autohof mit Stellplätzen für Lastwagen, einer Wasserstofftankstelle und einem Fast-Food-Restaurant bauen. Zudem verhandelte er seinerzeit mit einem Schweizer Feinkostunternehmen, welches seine Produktion in die Kreisstadt verlagern wollte. Einen Metallveredler und ein Logistikunternehmen wollte Taube ebenfalls in das neue Industriegebiet locken. Von mehreren hundert Arbeitsplätzen war damals die Rede.
Seine Planungen stellte er im September 2018 Verwaltung und Politik in Wildeshausen vor. Und beteuerte damals, keine Schlachthöfe in Wildeshausen ansiedeln zu wollen. „Ich kann das Engagement von Verwaltung, Politik, dem Wirtschaftsförderer Claus Marx und Ingo Hermes als Vertreter der Mittelstandsvereinigung nur loben. Das findet man nicht in allen Gemeinden“, sagte Taube im Gespräch mit unserer Zeitung. Und Taube weiß, wovon er spricht. Nach eigenen Angaben hat er bundesweit zahlreiche Großprojekte entwickelt, darunter Einkaufszentren und Autohöfe.
Nur in Wildeshausen kommt das Projekt nicht voran. Einen Schuldigen hat Harro Taube schon ausgemacht. „Einer der Verkäufer der Flächen, die ich erworben habe, stellt immer neue Forderungen“ sagte Taube. Zehn Hektar hatte er sich im Bereich des geplanten Industriegebietes gesichert. Den Kaufpreis muss er allerdings erst zahlen, wenn das Gebiet baureif ist. Das macht sich einer der Verkäufer zu nutze. „Immer wenn wir etwas abgearbeitet haben, kommt eine neue Forderung. Und er kommt da immer mit durch.“ Taube ist hörbar verärgert. „Das ist an Dramatik, Unverschämtheit und Gier nicht zu überbieten. Der Schaden, den dieser Mann der Stadt zufügt, ist unglaublich.“ Die Angaben Taubes wurden auch von anderer Seite bestätigt.
Vor zwei Wochen sollten die Verträge endlich unterschriftsreif sein. Dann gab es wieder neue Bedingungen. Erst in der vergangenen Woche habe es einen erneuten Anruf gegeben. „Danach wäre das Projekt eigentlich gestorben.“ Doch Taube will nicht aufgeben. Zu viel Energie und finanzielle Mittel hat er schon in das Vorhaben gesteckt. Erste Architektenpläne wurden erstellt. „Bislang sind das rund 100 000 Euro“, rechnet er zusammen.
Von den zehn Hektar, die Taube erworben hat, will er einen Teil für den Autohof und das Fast-Food-Restaurant nutzen. Zum Autohof soll auch eine Wasserstofftankstelle gehören. Dort können Lastwagen mit einem Druck von 700 bar innerhalb weniger Minuten betankt werden.
Aufgrund der langen Verfahrensdauer sind einige Firmen, die Taube mit nach Wildeshausen bringen wollte, bereits auf andere Standorte ausgewichen. Der Investor will deshalb die von ihm nicht genutzten Flächen entwickeln und der Stadt oder Wildeshauser Firmen anbieten. Denn Industrieflächen sind in der Kreisstadt Mangelware. Einige Unternehmen haben die Stadt aus diesem Grund bereits verlassen und sich im Umland angesiedelt.
Zu den Unternehmen, die händeringend nach einem besseren Standort suchen, gehört der Wildeshauser Getränkelogistiker Nordmann, der derzeit an der Bargloyer Straße ansässig ist. Der Firmensitz mit Vollgutlager und das Leergutlager sind durch den viel befahrenen Westring getrennt. Teilweise benötigen die Nordmann-Fahrzeuge bis zu 15 Minuten, um vom Firmensitz zu den Ausfallstraßen zu gelangen. Während der Autohof im Industriegebiet Wildeshausen-West weiter in der Warteschleife hängt, kommt Harro Taube bei einem ähnlichen Projekt in Cuxhaven weiter voran. Dort hat er inzwischen den Bauantrag für einen Autohof am Hafenzubringer gestellt. Rund vier Millionen Euro will Taube dort investieren.
Ob und wann er einen Bauantrag für das Projekt in Wildeshausen stellen kann, hängt wohl auch davon ab, wann er sich mit dem Verkäufer endgültig einigen kann. Der Bauausschuss der Stadt zumindest hatte den Bebauungsplan „Gewerbepark Wildeshausen- West“ im April 2019 auf den Weg gebracht.

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